Hamburger Spediteure beklagen Abfertigungsqualität
Kritik an Reedereien
Der Verein Hamburger Spediteure (VHSp) beklagt die aktuelle Dokumentation vieler Reedereien. Diese führe zu einer verzögerten Erstellung der Bills of Lading (B/L) und deren Herausgabe, was den Bearbeitungsprozess für Spediteure und Verlader verzögere.
„Es ist allgemein Konsens, dass die Qualität der Dokumentation bei Reedereien zu wünschen übrig lässt“, beklagt sich Johan Peter Schryver, Geschäftsführer der Hamburger Spedition H.J. Schryver & Co. (GmbH & Co.) und Vorsitzer des VHSp. „Das wundert uns doch sehr, da die Daten von den Spediteuren über die DAKOSY AG ordnungsgemäß an die Reedereien übertragen werden“, sagt Schryver. Ein Grund für die oft mangelhafte Dokumentation sei die Auslagerung von IT-Systemen in überseeische Länder, die zum Teil fehlerhafte Daten liefere. Die Beseitigung dieser Fehler koste die Spediteure Zeit und führe zu Verzögerungen bei der Abfertigung. „Teilweise haben wir bis zu einer Woche auf unsere B/L zu warten“, so Walter Stork, Vorstand der NAVIS Schiffahrts- und Speditions-Aktiengesellschaft und ehemaliger Vorsitzer des VHSp.
Einsparungen mit Folgen
Ähnliche Erfahrungen macht auch Reiner Heiken, Mitglied der Geschäftsleitung Rail & Road bei Kühne + Nagel (AG & Co.) KG und erster Stellvertreter des VHSp-Vorsitzers: „Die im Krisenjahr 2009 notwendigen Kosteneinsparungen der Reedereien führen beispielsweise zur Stilllegungen von Schiffstonnage, Slow steaming-Programmen, Personalabbau, Prozessveränderungen und anderen Kosteneinsparungsmaßnahmen in nahezu allen Dienstleistungsbereichen der Linienreedereien.“ Aufgrund der wirtschaftlichen Erholung des Außenhandels seien 2010 wiederum erhebliche Schiffskapazitäten in Dienst gestellt sowie eine Vielzahl neuer Schiffsrouten eröffnet worden.
Serviceoptimierung notwendig
Hohe Transportmengen im Im- und Export spiegeln sich laut Heiken inzwischen deutlich in den Steigerungsraten der Hafenterminals wieder. „Dieser positiven Entwicklung muss nun Rechnung auch bei der Abfertigungsqualität getragen werden“, fordert Heiken. Leider wachse die Infrastruktur der Reedereien jedoch nicht parallel zum Ladungsaufkommen. „Reedereien, die infolge der Wirtschaftskrise Personal abbauen mussten, haben nun mit erheblichen Engpässen und Qualitätsabweichungen in der Transportabwicklung zu kämpfen“, so Heiken. Eine Serviceoptimierung im Sinne der Kundschaft müsse nun wieder im Vordergrund stehen. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Carrier weiterhin versuchen, mit reduziertem Personal die steigenden Volumen zu bewältigen. Also haben wir heute neben dem ͵slow steamingʹ auch eine ͵slow documentationʹ“, kommentiert Ralph Juchheim, Leiter der Geschäftsstelle Schenker Deutschland AG Bereich Seefracht und Luftfracht und Vorstandsmitglied im VHSp.
Probleme im operativen Feld
Ein weiteres Problem wird aus den operativen Abteilungen beklagt, berichtet Schryver: „Hier finden Umladungen statt, ohne dass Empfänger davon unterrichtet werden.“ Dieses Problem trete speziell bei einigen Linien im einkommenden Ostasien-Verkehr auf. „Die Planung von Gefahrgutsendungen soll bei einer uns bekannten Reederei über Indien laufen – unserer Meinung nach ein unmöglicher Zustand“, so der VHSp-Vorsitzer. „Es ist dringend anzuraten, mit den Reedern ein grundsätzliches Gespräch über die Verbesserung der angebotenen Qualität zu führen“, rät Schryver. „In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass sich das Komitee Deutscher Seehafenspediteure (KDS im DSLV) mit dem Deutschen Seeverladerkomitee (DSVK) bereits diesem Thema angenommen hat. In absehbarer Zeit sollen hier Gespräche stattfinden.“
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