20.09.2010

Kick-Off für ECSIT in Bremerhaven

Foto: bremenports

Auftakt für mehr Sicherheit

Container als Waffe – dies ist eine der Ängste, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 entstanden sind. Die Folge ist unter anderem das so genannte „100%-Scanning-Gesetz“ für Container, die in die USA exportiert werden. Um sich für die Anforderungen ab 2012 zu rüsten, ist am Freitag, 17. September 2010 auf dem NTB-Containerterminal in Bremerhaven das Forschungsprojekt ECSIT gestartet.


Wie kann man jeden Container gen USA durchleuchten und auf Radioaktivität untersuchen, ohne ihn anzufassen und ohne zeitliche Stockungen in den Häfen? Genau dies soll mithilfe des gemeinsamen Forschungsprojektes herausgefunden werden. Der Projektname ECSIT steht für "Erhöhung der Container Sicherheit durch berührungslose Inspektion im Hafen Terminal" und stellt das Ziel bereits im Namen deutlich dar.

Bremen geht mit Projekt voran


„Wir Bremer wollen, dass unsere Häfen nicht nur „Safe“ sondern auch „Secure“ sind“, sagte der Wirtschafts- und Hafensenator der Freien Hansestadt Bremen, Martin Günthner, in Bremerhaven bei der Kick-Off Veranstaltung das Projekt aus dem nationalen Sicherheitsforschungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). An der Startveranstaltung nahmen auch Vertreter des BMBF und das US-Generalkonsulats Hamburg teil.  Koordiniert wird das Projekt vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL). 

Bremerhaven ist dabei ein bedeutendes Ausfalltor für die europäischen Containerverkehre in die USA. Knapp 24 Prozent des gesamten Exports der EU werden über Bremerhaven abgewickelt. Täglich müssten hier ca. 2000 Container gescannt werden, wenn der Safe Port Act greift. Aber nicht nur hier, auch in anderen Häfen würde nach heutigem Stand der Technik die Untersuchung jedes Containers zu einer Verstopfung der Häfen und damit zu einem Hindernis im Welthandel führen. So soll beispielsweise die derzeitige Kontrollrate in Bremerhaven bei bis zu fünf Prozent der Container liegen.

Nicht nur für ein Gesetz

Zwar wird noch diskutiert, ob und wann genau der US-amerikanische Safe Port Act tatsächlich in Kraft tritt, doch Bund und Land wollen hierfür rechtzeitig gewappnet sein. Piloterprobungen der USA ergaben, dass die Technik für ein effizientes Scanning für das geforderte Ausmaß noch nicht existiert, wie Prof. Dr. Frank Arendt vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik bei der Vorstellung der Motivation und Hintergründe zu ECSIT erklärte.  Unmittelbar soll ECSIT daher die Bremischen Häfen als sichere und wettbewerbsfähige Partner festigen. Letztlich soll das Projekt darüber hinaus unterstützen mit neuen Techniken und Wissen aus Deutschland neue Sicherheitsmärkte zu erschließen. 

ECSIT soll nach Angaben von Dr. Christine Thomas, Leiterin des Referates Sicherheitsforschung des BMBF auch dann vollständig durchgeführt werden, wenn das US-Gesetz doch nicht in Kraft treten sollte. Da mit dem Projekt sowohl Lösungen gesucht werden, bei denen sowohl die Seite des Schutzes und der Sicherheit berücksichtigt werden als auch die Wirtschaftlichkeit. Daher würden die technologischen Entwicklungen auch dazu dienen, die logistische Warenkette insgesamt schneller und effizienter zu gestalten.

Gesetz lässt Fragen offen

Das US-Gesetz legt zwar fest, dass die Container entsprechend untersucht werden müssen, die für die USA bestimmt sind, aber  hinterlässt zahlreiche Fragen nach dem Wer? und dem Wie? Hierzu gehört z.B. Wer ist verantwortlich? Wer ist haftbar? Wie wird umgesetzt? Wie viele Geräte werden benötigt? und mehr.


Mit den Projektpartnern sollen daher alle Aspekte von der Kostenfrage bis zu den rechtlichen Hintergründen einfließen und nicht alleine die technischen Entwicklungen im Fokus stehen. So stehen Eurogate, MSC Gate und NTB für die operative Seite der Terminalbetreiber. Für technische Geräte und Entwicklungen gehört Smith Heimann zu den Partnern und Steria Mummert für den Aspekt Kosten, SAP und dbh logistics für die IT-Integration.

Nächste Stufe voraussichtlich Herbst 2011


Neben dem ISL sind auf Seite der Forschung auch die Forschungsinstitute Fraunhofer EMI und Fraunhofer EZRT beteiligt. Speziell mit den rechtlichen Fragen wie der Haftung, Datenschutz und Arbeitsschutz beschäftigt sich die Universität Bremen, während die Hochschule Bremerhaven den Aspekt Gefahrgut ins Auge nimmt. Als Beirat fungieren Assoziierte Partner, Feuerwehr, Polizei und der Zoll. In ungefähr einem Jahr sollen die ersten Lösungen entwickelt sein. Dann sollen als Usergruppe Speditionen, Reedereien und weitere Terminalbetreiber mit in das Projekt einbezogen werden.




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