Wachsen und verteilen
Perspektiven für Binnenhäfen im Hinterlandverkehr aus Hamburg
Die Internationalisierung der Absatz- und Beschaffungsmärkte hat in den vergangenen Jahren zu einer dynamischen Entwicklung des internationalen Güterverkehrs geführt, von dem der Hamburger Hafen in besonderem Maße profitieren konnte.
Trotz erster Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstumstempos im ersten Quartal 2008 wird auch in Zukunft mit einem dynamischen Wachstum der Containerverkehre gerechnet. Die Prognose legt dabei ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 9,4 Prozent (Basisjahr 2004) zu Grunde. Hieraus resultiert für das Jahr 2015 ein erwartetes Umschlagvolumen von 18,1 Millionen TEU. Die im Sommer 2007 vorgestellte Seeverkehrsprognose im Auftrag des BMVBS rechnet für Hamburg bis zum Jahr 2025 sogar mit einem Anstieg des Containeraufkommens auf 27,8 Millionen TEU.
Mit einem Anteil von rund 40 Prozent bezogen auf das Gesamtaufkommen im Containerverkehr ist die Straße wichtigster Verkehrsträger im Hinterlandverkehr. Die Entwicklung der schienengebundenen Verkehre im Nachlauf des Hamburger Hafens bleibt ungeachtet zunehmender Engpässe im Straßengüterverkehr hinter den Erwartungen zurück. Mit einem Plus von 15,3 Prozent auf 1,8 Mio. TEU ist das Wachstum der Containerverkehre auf der Schiene zwar höher ausgefallen als das Wachstum des seeseitigen Güterumschlags, der Anteil der Schiene am Modal Split des Hamburger Hafens liegt mit einem Anteil von 17,9 Prozent allerdings nach wie vor unter dem des Jahres 2000 (18,4 Prozent).
Während von politischer Seite für das Jahr 2015 ein Bahnanteil von 25 Prozent als Zielvorgabe formuliert wird und sich die großen Containerterminals sogar auf einen Bahnanteil von 30 Prozent einstellen, wird die Absorptionsfähigkeit der heute schon nahezu ausgelasteten Hafeninfrastruktur entscheiden, welche Volumina zukünftig tatsächlich auf der Schiene abzuwickeln sind.
Das Binnenschiff spielt im Nachlauf des Hamburger Hafens nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Nach Angaben von Hafen Hamburg Marketing verließen oder erreichten in 2007 rund 110.000 TEU den Hamburger Hafen per Binnenschiff, was einem Anstieg von über 20 Prozent gegenüber 2006 gleichkommt. Mittelfristig wird auch im Hamburger Hafen ein Anstieg der Binnenschiffsverkehre am Modal Split auf 5 Prozent angestrebt, was bei einem erwarteten Gesamtvolumen von 18,1 Mio. TEU in 2015 immerhin knapp 1 Millionen TEU auf dem Binnenschiff entspräche.
Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Knappheit an Logistikflächen im Hamburger Hafen sind darüber hinaus Möglichkeiten einer zusätzlichen Verlagerung logistischer Aktivitäten an einen Hinterlandstandort zu überprüfen. Insbesondere gilt dies für den Bereich der LCL-Logistik, wo kleinere Sendungspartien von Stückgutladungen, die keinen Vollcontainer rechtfertigen, gebündelt und als LCL-Container-Ladungen zielrein für den Seetransport gepackt bzw. entpackt werden. Ergänzend hierzu stellt auch die Ansiedlung weiterer Dienstleister z. B. aus den Bereichen Containerreparatur, -reinigung oder Zollabfertigung eine Handlungsoption für einen Konsolidierungspunkt im Hinterland des Hamburger Hafens statt.
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