Ministerpräsident Wulff weiht Niedersachsenkai im Seehafen ein
Brake wird länger
Der Niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hat Mitte August den neuen Niedersachsenkai im Seehafen Brake eingeweiht. "Dies ist ein sichtbares Zeichen für die gute Standortqualität der niedersächsischen Seehäfen", betonte der Ministerpräsident in seiner Ansprache vor rund 400 Gästen. Als symbolischen Akt legte er danach gemeinsam mit einem Mitarbeiter von Niedersachsen Ports (NPorts) eine Trosse eines Seeschiffes über einen der neuen Poller.
Bei der in rund zweijähriger Bauzeit entstandenen Hafenerweiterung hatte Ministerpräsident Wulff bereits am 21. September 2007 den ersten Rammschlag vorgenommen. Die neue Hafenanlage verfügt über eine Kailänge von 270 m und lässt Schiffe mit einem Tiefgang von 11,90 m zu. Nach der geplanten Anpassung der Unterweser wird ein Tiefgang bis 12,80 m möglich sein. Hinter der Kaianlage erstrecken sich 30 ha Lagerflächen. Das Areal verfügt über eine entsprechende Gleis- und Straßenanbindung. Insgesamt 7 km Gleisanlagen wurden im Zuge des Neubaus verlegt. Das Land investierte insgesamt 37,5 Mio. Euro in die Hafeninfrastruktur.
Leistungsfähige Umschlagskapazitäten
Matthias Dornblüth, Leiter der NPorts-Niederlassung Brake, bedankte sich bei allen beteiligten Bauunternehmen und bei seinen Mitarbeitern für die geleistete Arbeit. Die Bauarbeiten wurden überwiegend von Unternehmen aus der Region erbracht. Mit der offiziellen Eröffnung der Kaianlage befand sich bereits ein neuer Hafenmobilkran, der Lasten bis zu 140 t bewältigen kann, auf den Anlagen im Einsatz. Für den Umschlag von Eisen- und Stahl sollen zwei zusätzliche Verladebrücken aufgestellt werden.
"Wir wollen noch in diesem Jahr mit der nächsten Ausbaustufe beginnen", erklärte Dornblüth. Hintergrund ist eine Vereinbarung mit der Salzgitter AG, die den Bau eines weiteren Liegeplatzes durch einen Kredit unterstützt. Am Standort Brake sollen dann durch die Bündelung von Ladungsmengen betriebliche und wirtschaftliche Vorteile genutzt werden. Durch die Verlängerung um 180 m wird der Niedersachsenkai mit insgesamt 450 m Liegeplätze für zwei Großschiffe bieten. Der Planfeststellungsbeschluss für diese Baumaßnahme wurde kurz nach Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts erwartet. Das Investitionsvolumen des zweiten Bauabschnittes, der Ende 2010/Anfang 2011 fertig gestellt werden soll, beträgt 17,5 Mio. Euro.
Optimistisch für Zukunft
Die Unternehmensgruppe J. Müller sieht als zuständiges Hafen-Terminal-Unternehmen die Zukunft des Hafens trotz der schwierigen Konjunkturentwicklung positiv: "Mit dem Niedersachsenkai ist Brake einer der wenigen Häfen an der norddeutschen Küste, der im Breakbulk- und Projektbereich investiert. Viele Standorte haben beim Hafenausbau auf den Container gesetzt", sagte Hartmut Schlenker, Geschäftsführer des J. Müller Breakbulk Terminals. "Mit dem Niedersachsenkai bieten wir Abladern und Reedereien für Projektladung und massenhafte Stückgüter eine hochmoderne Umschlagsanlage, die den Anforderungen an Produktivität, Krankapazität, Flächenlayout und Tiefgang in Deutschland ihresgleichen sucht."
"Mit vier zuglangen Vorstellgleisen und sechs Anschlussgleisen, davon zwei auf der Pieranlage, ist eine optimale Gleisanbindung gegeben", erklärte Jan Müller, Geschäftsführer und Gesellschafter der J. Müller Unternehmensgruppe bei der offiziellen Einweihung. "Die Salzgitter-Gruppe wird als ein Ankerkunde in großem Umfang Eisen- und Stahlprodukte über das neue Terminal verladen. Die reibungslose Anlieferung per Bahn aus den Inlandwerken ist dafür besonders wichtig."
Die Notwendigkeit des Niedersachsenkais zeigt sich auch bei einem Rundgang durch die bestehenden Hafenanlagen. Zurzeit wird jede Freifläche für die Lagerung von Windkraftkomponenten genutzt. Diese Bauteile werden zukünftig am Niedersachsenkai auf seegehende Schiffe verladen - zahlreiche Komponenten der überschweren und überdimensionalen Anlagen bildeten so auch den optischen Rahmen der feierlichen Einweihung. Brake ist seit mehreren Jahren einer der wichtigsten Verladeplätze für "On-Shore"-Windkraftanlagen und wächst kontinuierlich. Bei einer Länge von bis zu 55 m ist der Flächenbedarf für die Einlagerung von Rotorblättern enorm. Die Maschinenhäuser erreichen Stückgewichte bis zu 85 t. Im Schnitt liegen zurzeit ca. 100 Rotorblätter und 50 Turmsegmente sowie 60 Maschinenhäuser im Terminal.
"Es geht aber nicht nur um großvolumige Teile wie Maschinenhäuser oder Rotorblätter. Wir haben ein Rundum-Paket entwickelt: Dabei halten wir auch Lagerbestände für die auf den ‚Job-Sites' benötigten Kleinteile vor. Vom Handschuh über große Metallbolzen bis zur Metallverkleidung; über 1.000 Kleinteile werden pro Windkraftanlage benötigt. Diese werden hier in Brake gelagert und bedarfsgerecht in Container verpackt und verschickt", sagt Jörg Kaplan, der für den Bereich Windkraft bei J. Müller zuständig ist.
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