Neuer Containerterminal von BSH und DHL
Anpfiff in Giengen
Mit einem schrillen Pfeifsignal fährt die orange Locon-Lok ein. Ein knallroter Ferrari wartet bereits im Yard darauf, dass ihm die Container zugespielt werden. Im Gegensatz zur Fußball-WM scheint es beim neuen Containerterminal in Giengen jedoch nur Gewinner zu geben. Einer davon: die Umwelt.
In Giengen, bei der Bosch Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), wird Logistik sportlich gesehen. Jean Dufour, Mitglied der BSH-Geschäftsführung sagt: „Logistik ist kein Beruf, sondern eine Sportdisziplin.“ Bei Schwankungen von 700 Prozent im täglichen Bestellvolumen, sind wie im Sport Teamgeist, Flexibilität und Strategie gefragt. Denn im Gegensatz zu den Bestellmengen, schwanken die Erwartungen, dass die Ware innerhalb von 48 Stunden beim Kunden ist, nicht. Energieeffizienz ist dabei ein wichtiges Thema im Produktionsalltag der Giengener. Doch nicht nur bei den 1100 verschiedenen Kühl- und Gefriergeräten, auch in der Logistik strebt BSH nach „Grünen“ Alternativen. Ein weiterer Schritt auf dem Weg dahin, ist auch der neue Containerterminal.
Nachhaltige Partnerschaft
Allerdings tritt man hier nicht wie so oft in der Wirtschaft als Einzelkämpfer an den Start, sondern gleich mehrere Mannschaften ziehen gemeinschaftlich an einem neuen, umweltfreundlicheren Strang. Gemeinsam verwirklichen hier BSH und DHL Global Forwarding ein umweltfreundliches Transportkonzept für die Inlandslogistik von Seefrachten. So werden auf dem Gelände nicht nur Hausgeräte aus den Werken der BSH umgeschlagen, sondern auch Container für weitere Kunden der DHL im Umkreis abgefertigt.
Dr. Jürgen Klenner, Vice President Strategy & Program Management, DHL Global Forwarding GmbH sagte bei der Eröffnung: „Wenn wir aus den alten Gleisen herausgehen und die Gleise neu verlegen und damit neue Modelle entdecken und erfinden, dann können solche Partnerschaften sehr gut funktionieren.“ DHL nutzt damit erstmals einen Kunden als Dienstleister. Auch Dufour sagte anlässlich der Eröffnungsfeier: „Die meisten Träumen es, wir machen das.“
Der neue Terminal
Auf einer Fläche von insgesamt rund 10.000 m2 bietet er Platz für 1000 TEU. Direkt über dem neuen Container-Yard hetzen Pkw und Lkw über die A7. Bis zur nächsten Auffahrt auf die Nord-Süd-Achse sind es knapp fünf Minuten, denn auch die L1082 schmiegt sich an das Firmengelände. Doch genau diese und andere Straßen werden entlastet. Denn direkt zum Terminal führt ein neuer Gleisanschluss an das deutsche Gleisnetz. Auf dem 700 m langen Gleis können nun Züge mit bis zu 40 Waggons abgefertigt werden. Organisiert werden die mehrmals in der Woche fahrenden Züge dabei von der DHL-Railservice.
Auf grünerer Schiene
Derzeit fahren von Giengen ein Südzug von Triest und drei bis vier Mal wöchentlich ein Nordzug von den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven. Um 16 Uhr treffen die Züge an der Brenz ein, um dann bereits am folgenden Nachmittag mit neuer Fracht wieder in den Seehäfen anzukommen. Bis zum Jahresende möchte die BSH so mehr als 50 Prozent der Wareneingänge über die Schiene abwickeln. Bisher wurde die internationale Fracht per Lkw entweder direkt oder über die nächstgelegenen öffentlichen Container-Terminals in Ulm-Dornstadt oder Kornwestheim transportiert. Mit der Verlagerung der Transporte auf die Schiene werden nicht nur aus drei Arbeitsschritten einer, sondern auch die CO2-Emissionen reduziert.
In über 60 Länder der Welt
Insgesamt transportiert die BSH 40 Mio. Haushaltsgeräte jährlich. Diese sollen systematisch nach und nach von der Straße geholt werden. Auch im europäischen Warenverkehr setzt die BSH zunehmend auf die Schiene. Schon heute transportiert das Unternehmen Hausgeräte von den deutschen BSH-Werken in die Lager nach Nordeuropa, Frankreich, Griechenland, der Türkei und der Schweiz auf diesem Wege. Als einen weiterer Schritt plant die BSH den Aufbau einer eigenen europäischen Ost-West-Transporttrasse, die Fracht über Frankreich nach Spanien bringt.
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