Entwicklung der Containerschifffahrtsmärkte
Containerflotten im Visier
Eine aktuelle Marktstudie des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) analysiert die Entwicklungstendenzen der einzelnen Größenbereiche der Containerflotte. Die vollständige Studie kann ab Ende November 2010 über das ISL bezogen werden.
Nach Angaben des ISL hat sich die Wirtschaftsentwicklung auf die Containerschifffahrtsmärkte ausgewirkt, sodass selbst unter vorsichtigen Gesichtspunkten von einem Jahreswachstum in einer Größenordnung von 12 Prozent auszugehen sei. Auch auf den Chartermärkten gab es demnach Positives zu beobachten. Hohes Nachfragewachstum und Slowsteaming haben im Jahresverlauf zudem zu Engpässen in der Tonnageversorgung geführt. Belebt haben sich auch die Neubau- und Secondhandmärkte. AXS-Alphaliner zufolge ging die Kapazität der inaktiven Einheiten bis Oktober um rund 80 Prozent zurück.
Risiken bleiben
Trotz der positiven Rahmenbedingungen bestehen Risiken, die die kurzfristige Entwicklung negativ beeinträchtigen können. Insbesondere zur bevorstehenden Jahreswende rechnen das ISL und andere Marktbeobachter angesichts des regelmäßigen saisonalen Abschwungs der Nachfrage und einer anhaltenden Flottenexpansion mit einem Druck auf die Raten sowie einem abermaligen Anstieg der inaktiven Einheiten. Ein Muster, dass sich wiederholen dürfte: Während der zum Anfang des nächsten Jahres einsetzende saisonale Aufschwung der Märkte bis zur Jahresmitte sogar eine „Vollbeschäftigung“ der Vollcontainerflotte mit sich bringen dürfte, ergibt sich - rein rechnerisch - zum Ende der Jahre 2011 und 2012 abermals ein Tonnageüberangebot. Zum Anfang des Jahres 2012 dürfte die vorübergehende inaktive Kapazität nach Ansicht des ISL bereits geringer ausfallen und bei einer positiven Einschätzung der Märkte könnten die Liniendienstanbieter zum Ende des Jahres 2012 bereits bestrebt sein, sich die wenigen verfügbaren Einheiten für das Jahr 2013 wieder längerfristig zu sichern.
Größenunterschiede
Bei den verschiedenen Größenklassen können sich jedoch unterschiede ergeben. Das geringe erwartete Kapazitätswachstum bei den kleineren Einheiten könnte auf Sicht von drei Jahren
ohne weitere Neubauaufträge und bei anhaltender Verschrottungsaktivität sogar einen effektiver Kapa-zitätsrückgang bedeuten. Dies sollte sich bei dem erwarteten Nachfragewachstum entsprechend positiv auf die Beschäftigungsaussichten der Containerfrachter bis etwa 3.000 TEU auswirken. In den Größenbereichen von 3.000-7.500 TEU sei demgegenüber zwar ein leicht höheres Flottenwachstum absehbar, aber dieses bleibt deutlich unter dem erwarteten Marktwach-stum zurück. Wie die Märkte auf das sich abzeichnende hohe zweistellige Kapazitätswachstum der ultragroßen Containerschiffe reagieren bleibt abzuwarten. Deren typisches Einsatzgebiet sind die langen Ost-West-Routen im Containerhandel zwischen Europa und Fernost. Dort sind sie mittlerweile zwar der dominante, allerdings noch nicht der ausschließliche Schiffs-größenbereich. Dementsprechend wird nach Ansicht des ISL das Kapazitätswachstum in diesem Teilmarkt zwar etwas durch die anderen Segmente abgefedert, aber der tendenzielle Kaskadeneffekt der Linienschifffahrtsmärkte dürfte sich weiter fortsetzen und einen entsprechenden Markt-druck auf die übrigen Segmente ausüben.
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