07.05.2010

Innovationen bei Stena Line

Foto: Stena Line

RoPax wechsel dich

Würde man alle Lkw und Trailer, die an Bord der neuen Superferries Platz finden, hintereinander aufstellen, wäre die Schlange über 5,5 km lang. Damit noch nicht genug: hinter den zwei RoPax-Neubauten von Stena Line stecken gleich drei Schiffswechsel. Insbesondere auch für den Seehafen Kiel

Foto: Stena Line

In wenigen Tagen ist es soweit: die neue 240 m lange Stena Hollandica soll am 16. Mai zum ersten mal ab Hoek van Holland ihren Dienst aufnehmen.

Damit leutet sie ein neues Fährschiffzeitalter bei Stena Line ein. Die Reederei erhöht mit der neuen RoPax-Fähre die Kapazität auf der beliebten Route zwischen den Niederlanden und Großbritannien deutlich. Neben 310 Frachteinheiten passen pro Überfahrt auch bis zu 1200 Passagiere und 320 Pkw auf den Neubau. Im Oktober dieses Jahres folgt dann das nahezu baugleiche Schwesterschiff, die neue Stena Britannica.

Zwischen Trucker und Passagier


Die Kombination von Fracht und Passagieren sei für Stena Line bedeutend, wie Frederik Lantz, der Area Director Scandinavia, bei einer Pressekonferenz am 09. März in Kiel erklärte. So bieten die Schiffe nicht nur in der Beförderung, sondern auch in der Ausstattung einen Mix für die unterschiedlichen Zielgruppen. Während die Passagiere bereits Urlaub an Bord erleben, können Trucker sich im eigenen Restaurant mit angeschlossener Lounge von den langen Touren über Europas Straßen erholen. Auch der Umweltschutz spielt bei Seetransporten zunehmend eine wichtige Rolle. Die Kunden würden heute erwarten, dass die Reedereien die Emissionen genau beziffern können, erklärt Capt. Hans Hansson, der Frachtmanager von Stena Line.

Grüne Schiffe

Die beiden Neuen sind auch in diesem Bereich wegweisend in der Stena Flotte. Bei der Planung legte Stena Line Wert darauf, so wenig wie möglich Treibstoff zu verbrauchen. Hierzu wurde die Rumpf-Form optimiert und ein spezieller Unterwasser-Anstrich gewählt. Zudem sind die Schiffe mit einem Computersystem ausgestattet, das den Kapitän bei der Wahl des idealen Kurses, abhängig von Wetter, Wassertiefe und anderen Faktoren unterstützt. Doch damit nicht genug: Die Emissionen der vier MAN-Hauptmaschinen werden mit Hilfe eines speziellen Systems zurückgewonnen und in Wärme umgewandelt, mit der die Schiffe geheizt werden. Damit an heißen Tagen die Klimaanlage aus bleiben kann, tragen sperren beschichtete Kabinen-Fenster 82 Prozent der Sonnenwärme aus.

Das Aus für Travemünde

Foto: sh

Vom Schiffswechsel profitiert insbesondere die Linie Kiel – Göteborg. Denn die Veränderung beinhaltet auch, dass die vier Fähren, die heute von Kiel und Travemünde nach Göteborg verkehren, durch die zwei neuen ersetzt und zukünftig von Kiel aus gesteuert werden.

„Göteborg-Kiel ist unser neuer Gateway, der clevere Gateway zwischen Skandinavien und Westeuropa“, sagt Hansson. Ab September soll die bisherige Stena Hollandica, die ja mit dem Fährneubau ersetzt wird, als neue Stena Germanica hier ihren Dienst aufnehmen.

Namenswechsel

Der Namenswechsel erfolgt dabei traditionell für Stena Line. Die Reederei ist bekannt dafür, dass die Schiffe entsprechend der eingesetzten Route ihre Namen tragen. Anfang 2011 wird dann auch das Schwesterschiff Stena Scandinavica durch die bisherige Stena Britannica ersetzt. Die „neuen“ Stena Germanica und Stena Scandinavica wurden 2001 bzw. 2003 gebaut und 2007 in Bremerhaven verlängert und umgebaut. Mit einer Länge von 240 m sind Schiffe um 62 m länger als die jetzigen mit 175 m. Die Lade-Kapazität ist mit 4.100 Frachtmetern etwa zweieinhalb Mal so hoch. Auf diese Weise wird in Richtung Deutschland-Göteborg ungefähr die gleiche Ladekapazität geboten wie bisher.

Die Bedeutung für Kiel

„Für die Entwicklung unseres Hafens, gerade im Frachtbereich, ist es ein Quantensprung“, sagte Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer der SEEHAFEN KIEL GmbH & Co. KG. Für diese Route ergebe sich eine Steigerung um 30 Prozent für den RoRo-Bereich. „Am Ende sind es 120.000 Frachteinheiten, 80.000-90.000 Pkw und 450.000 Passagiere, die wir zukünftig über die Fläche hier abfertigen wollen“, führt Claus weiter aus. Für die kommenden sechs Monate bedeuten die geplanten Änderungen für den Seehafen zunächst, die „Ärmel hoch zu krempeln“. Die gesamte 6 ha Fläche wird noch einmal neu hergerichtet. Es werden eine feste Gangway mit 175m Länge sowie eine mobile Gangway gebaut. Zur schnellen Be- und Entladung der PKW- und LKW-Decks wird zudem eine neue RoRo-Brücke installiert. Zukünftig werden die Schiffe nicht mehr am jetzigen Schwedenkai liegen, sondern am Bollhörnkai-Nord. Insgesamt sollen letztlich gut 200 Stellplätze für Trailer bereitstehen.

Schiene ins Hinterland

„Wenn wir über umweltfreundliche Transporte sprechen, sprechen wir auch über kombinierte Transporte“, sagt Hansson. Ab September sollen Kunden gemeinsam mit KombiVerkehr Schienentransporte für Trailer und Container zu Hinterlandterminals, wie Frankfurt, Duisburg oder auch Italien, angeboten werden. Für den kombinierten Verkehr erwartet der Seehafen Kiel laut Claus eine Verdopplung der Einheiten. Abgefertigt werden sollen diese zukünftig am Bollhörnkai-Süd. Die Gleise hierzu sind vorhanden. Der Fahrplan Kiel-Göteborg soll dabei so getaktet werden, dass er mit den Abfahrten der Eisenbahnen übereinstimmt, berichtet Kock.

Der neue Schwedenkai

Passend zur Inbetriebnahme der Stena Germanica im Herbst wird auch das neue Schweden-Terminal in Kiel eröffnet. Teil der Abfertigungslogistik am Schwedenkai ist auch das neue 12-geschossige Terminalgebäude für die Stena Line. Über dem - in Zusammenarbeit mit der Reederei gestalteten - Frachtbereich in den unteren zwei Stockwerken erstreckt sich die Passagierebene mit den Landgängen vom und zum Schiff. Reedereiadministration sowie Speditionen und Hafendienstleister finden im darüberliegenden Bürotrakt des Gebäudes Platz. Die Nachtfahrten mit der Fähre schaffen adäquate Ruhezeiten für LKW-Fahrer.

Wachstumsmarkt Ost

Auch im Hafen von Göteborg wird der Kai angepasst. Die derzeit noch unter dem Namen Stena Germanica und Stena Scandinavica eingesetzten Fähren werden nach ihrem Umbau die Linie Karlskrona – Gdynia bedienen und werden entsprechend der Line umbenannt. Sie ersetzen hier die Stena Baltica und die Finnarrow, womit auch hier die Kapazitäten deutlich erhöht werden. Stena Line erwartet auf dieser Strecke enorme Zuwächse, so Christian Totzeck, Deutschland-Manager für den Bereich Travel Business bei der Stena.

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