City-Maut, 24/7 und Happy Hour
Teilnehmer diskutierten beim 2. See-Hafen-Kongress über das Transportwachstum
Es wird eng am Tor zur Welt und an den anderen deutschen Seehäfen. Der Platz ist begrenzt, die Hinterlandanbindung ächzt schon jetzt unter den wachsenden Verkehrsströmen. Und die Konkurrenz zu Rotterdam und Antwerpen verschärft den Druck auf alle Beteiligten, sich auf das steigende Transportvolumen vorzubereiten. Aber wie? Das ma-co maritime competenzcentrum e.V. und die UMCO Umwelt Consult GmbH hatten für einen Gedankenaustausch zum 2. See-Hafen-Kongress ins Empire Riverside Hotel in Hamburg geladen. Zwei Tage lang diskutierten die 120 Teilnehmer aus Hafen-, Logistik-, Pharma- und Chemiebranche angeregt die Herausforderungen des wachsenden Güterumschlags und suchten zusammen nach Lösungen. 16 Referenten beleuchteten die Probleme aus verschiedenen Perspektiven.
Ihre einhellige Meinung: Das Wachstum kann nicht allein durch Infrastrukturerweiterungen bewältigt werden, sondern vor allem durch Optimierungen an den Schnittstellen und einer besseren Kommunikation zwischen den einzelnen Gliedern der Transportkette. Auch eine Ausweitung der Arbeitszeiten auf 24-Stunden- und Wochenendbetrieb sei dringend notwendig.
"Alle Beteiligten müssen prüfen, ob rund um die Uhr gearbeitet werden kann", forderte Hans Stapelfeldt von der Logistik-Initiative Hamburg. Sein Vorschlag: eine "Happy Hour" für die Nachtschicht mit günstigeren Terminal-Handlingkosten und ein Hafen-Koordinator, der die Beteiligten zusammenbringt und mit ihnen gemeinsam Probleme erörtert und löst.
Christian Blauert, Geschäftsführer der HHLA Burchardkai GmbH, präsentierte die Umbaupläne seines Terminals, neue Technologien und die steigenden Anforderungen an die Mitarbeiter. Er sagte: "Wir müssen intelligenter zusammenarbeiten und Prozesse gemeinsam optimieren, um das Wachstum zu bewältigen." Dr. Axel Schönknecht von der ILS Integrierte Logistik-Systeme GmbH stellte neue Seehafentechnologien vor, mit denen die langen Hafenliegezeiten gesenkt werden können. "Infrastrukturerweiterungen allein werden die Probleme nicht lösen", betonte auch er.
Oliver Oestreich, Mitglied der Geschäftsleitung der Überseespedition Lexzau, Scharbau GmbH & Co. KG, berichtete aus Sicht der Speditionen über die Situation in den Häfen und stellte eine Wunschliste auf: "Die Bundes- und Landespolitik muss dafür sorgen, dass infrastrukturelle Maßnahmen umgehend getroffen werden. Die Betreiber der Terminals sind aufgefordert, ihre Terminals schneller auszubauen und die Flächen zur Verfügung zu stellen, so dass ein reibungsloser Zu- und Abfluss der Container sichergestellt werden kann. Die Beschleunigung der Zollabfertigung und die Schaffung von einheitlichen Hafen-IT-Systemen sind weitere Themenkreise, um die Leistungsfähigkeit der deutschen Häfen auch künftig sicherzustellen."
Gerald Immens, Präsident des Bundesverbandes der See- und Hafenlotsen, sprach ein weiteres Problem an: die neue Generation von Großcontainerschiffen mit mehr als 10.000 TEU, die die Lotsen und die Häfen vor große Herausforderungen stellen. Ein weiteres Problem sei der Nachwuchsmangel. Er warnte vor Zuständen wie in Antwerpen, wo manchmal bis zu vier Stunden auf einen Lotsen gewartet werden müsse, beruhigte aber zugleich: "Das verträgt sich nicht mit unserer Berufsauffassung, wir werden schneller rotieren."
Den Abschluss des Kongresses bildete eine Podiumsdiskussion zum Thema "Die Einbindung Hamburgs ins logistische Netzwerk Europas". Dr. Ullrich Hautau von der Hamburg Port Authority musste sich gegen den Vorwurf wehren, die Stadt tue nicht genug, um die Infrastruktur zu verbessern. "Wir müssen über neue Finanzierungsmodelle nachdenken", sagte er. "Um die Kapazitätsengpässe zu bewältigen, brauchen wir mehr Geld." Er schlug eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Stadt und Hafenwirtschaft vor, in Form von Joint Ventures.
Dr. Alkis Henri Otto vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) warnte vor der Gefahr, dass Kapazitätsengpässe im Hafenhinterlandverkehr das Wachstum bremsen könnten. Er schlug vor, über eine Mautgebühr für Pkw nachzudenken. "So kann gezielter gesteuert werden, wer die Straße nutzt", sagte er. Die Veranstalter selbst waren mit dem Kongress sehr zufrieden. ma-co-Geschäftsführer Henning Scharringhausen fasste zusammen: "Wir haben Beteiligte der Transportkette zusammengebracht, die sich bislang nicht kannten, und ihnen Anregungen für weitere Diskussionen gegeben." Ulf Ch. Inzelmann, Geschäftführer von UMCO, ergänzte: "Wir müssen viele kleine Schritte machen, das geht nur über reden, reden, reden. Wir haben mit unserem Kongress die Beteiligten zusammengebracht und hoffentlich Prozesse angeschoben. Im April 2010 geht's übrigens weiter - beim 3. See-Hafen-Kongress."
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