19. Niedersächsischer Hafentag
Traditioneller Branchentreff
„Sturmfest und erdverwachsen“ zeigen sich die Niedersachsen nicht nur im Lied der Niedersachsen, sondern auch bei der 19. Auflage des Niedersächsischen Hafentages in Brake. Denn eine steife Brise wehte als sich am 04. September 2009 mehr als 450 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Medien in einem Zelt direkt auf dem neuen Niedersachsenkai in Brake versammelten.
Erst vor wenigen Wochen war die Erweiterung des Hafens Brake eröffnet worden, ein Grund für die Veranstalter des Hafentags Seaports of Niedersachsen auch den traditionellen Treffpunkt für die Hafenwelt in diesem Jahr hierher zu verlagern. Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler und der Abteilungsleiter für maritime Wirtschaft bei der EU-Kommission Dimitrios Theologitis informierten als Ehrengäste über die Entwicklungen und Perspektiven für die Branche. Die Stärkung der Seehäfen, fairer Wettbewerb in der EU und Weltweit und eine verstärkte Zusammenarbeit zeigten sich als wichtige Themen.
Verhältnismäßigkeit sehen
Der Geschäftsführer der Seaports of Niedersachsen GmbH begrüßte die Gäste, darunter auch ein weiteres Mitglied der Europäischen Kommission, Jean-Louis Colson, und eröffnete den Tag mit einem kurzen Abriss zur momentanen Wirtschaftslage und den aktuellen Umschlagsergebnissen der Niedersächsischen Häfen. Dabei mahnte er: „Die teils überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten des ersten Halbjahres 2008 haben die Zahlen allerdings ungünstiger erscheinen lassen, als sie wirklich sind.“ In seinem Grußwort lobte der Bürgermeister der Stadt Brake, Roland Schiefke das klare Bekenntnis der Landesregierung sowie auch die Unterstützung des Bundes. „Nicht die großen schlagen die kleinen, sondern die schnellen die langsamen.“, sagte er mit Blick auf die Bedeutung des Standortes, insbesondere auch für die Windkraftbranche. Wind war somit nicht nur aufgrund der Wetterlage und den direkt neben dem Festzelt laufenden Umschlagsarbeiten von Windkraftanlagenteilen auf ein Schiff ein bedeutendes Thema, sondern zog sich durch alle Redebeiträge.
Stärkung dank Ausbau
„Jetzt ist die Zeit, die Hafeninfrastruktur und deren Verkehrsanbindungen gezielt auszubauen.“, sagte der Wirtschaftsminister. Bis 2012 will das Land mehr als 300 Mio. Euro in die Erweiterung der Seehäfen investieren. Trotz der Krise habe die Küste die große Chance zum Gewinner der Globalisierung zu werden. Die Bedeutung der Seehäfen müssedabei über den norddeutschen Raum hinaus gesehen werden. Seinen Dank sprach Rösler der EU für die bereits erhaltenen Fördergelder und ging auf große Infrastrukturprojekte in den Seehäfen ein. Auch die Binnenwasserstraßen und geplante Investitionen wurden als wichtiger Faktor für die Hinterlandanbindungen thematisiert.
EU-Politik aus der Nähe
Mit den EU-Vertretern gelang es den Veranstaltern auch die Politik der Europäischen Union ein Stück weit direkt nach Brake zu holen und greifbar zu machen. So stellte Theologitis in seiner Festrede die aktuellen Bemühungen um die Leitlinien über staatliche Beihilfen in den Seehäfen vor und die damit einhergehende Herausforderung und Schwierigkeit, die Interessen der etwa 1200 unterschiedlichen europäischen Seehäfen unter einen Hut zu bringen. Zudem ging er auf die zwei derzeit gegensätzliche Meinungsrichtungen innerhalb der Kommission ein. Während die eine Finanzierung in allgemeine Hafenstruktur nicht als staatliche Beihilfe betrachtet, geht die zweite davon aus, dass jegliche Finanzierungen in die Hafeninfrastruktur in den Bereich privater Investitionen fallen sollten. Ebenso berichtete er über die Umweltleitlinien, die Ende des Jahres verabschiedet werden sollen und den Beteiligten helfen sollen Umweltschutz und Hafenaktivität in Einklang zubringen.
Vorteil der Kleineren in der Krise
Aber nicht nur den Gästen sollte die EU näher gebracht werden, ebenso wichtig war es dem Seaports Geschäftsführer, der EU-Kommission nicht nur die großen, sondern auch die kleinen und mittleren Seehäfen näher zu bringen. Mit einem Besuch des JadeWeserPorts, sowie den Häfen Nordenham und Brake konnten sich die EU-Vertreter am Vortrag ein eigenes Bild von der Leistungsfähigkeit machen. Im späteren Gespräch zeigte Theologitis sich beeindruckt von den Ergebnissen der Spezialisierungen und der Dynamik und den Visionen der Häfen und ihrer Bedeutung für die Wirtschaft. Mit Ihrer Beständigkeit und Unabhängigkeit können sie größere Krisen besser aushalten als die Großen, die von den großen Krediten abhängig sind.
Hafentag 2010 in Emden
Für die Gäste bot der Niedersächsische Hafentag neben den aktuellen Informationen vor allem auch eine Möglichkeit der Kontaktpflege. Auch im kommenden Jahr soll die Tradition fortgeführt werden und die Hafenwelt zum 20. Niedersächsischen Hafentag in Emden versammeln.
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