ZEIT DER DRACHEN
SkySails Zugdrachen als Alternative
Offshore-Windenergie wird mit zunehmendem Interesse betrachtet und in verschiedenen Häfen sind Produktionsanlagen, große Lagerflächen und Schwerlastterminals für die Anlagen geschaffen worden. Wind über dem Meer entwickelt sich aber nicht nur hier, sondern auch als alternative Antriebslösung für Frachtschiffe stetig weiter.
Als eine Evolution der Segelschiffstechnik könnte man die Windantriebe auf Zugdrachenbasis der Hamburger SkySails GmbH & Co. KG bezeichnen. Schon in der Entwicklungsphase spielte 2003/2004 ein Containerschiff – oder besser gesagt ein maßstabgetreues Modell mit 8 m Länge und 2 t Gewicht der Hamburgischen Schiffsversuchsanstalt – eine bedeutende Rolle. Denn die „Galileo“ war der zweite Versuchsträger für den neuen Windantrieb, der dann 2006/2007 erstmalig in Originalgröße auf dem ehemaligen Tonnenleger MS Beaufort auf die Meere ging und ab 2007 auch auf regulären Frachtschiffen den Praxistest begann.
Segelnde Containerschiffe
Generell ist es heute bereits möglich auch Containerschiffe mit dem SkySails-Antrieb auszurüsten. Da die Effizienz des Systems mit abnehmender Geschwindigkeit des Schiffs zunimmt, ist der Einsatz beim heutigen Ölpreis jedoch für schnelle Containerschiffe mit Reisegeschwindigkeiten über 18 Knoten laut Herstellerangaben nur im Einzelfall sinnvoll. Insbesondere vor dem Hintergrund steigender Ölpreise und Emissionsauflagen zeichnet sich jedoch auch im Containerschiffbereich bereits ab, dass die Reisegeschwindigkeiten langfristig gesehen gedrosselt werden, um die Schiffe energieeffizienter und kostengünstiger zu betreiben. Denn die Menge an Treibstoff lässt sich bereits reduzieren, wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit um wenige Knoten gesenkt wird. Damit kann auch der SkySails-Windantrieb zukünftig eine attraktive Alternative für die Containerschiffe werden.
Das Angebot an Schiffs-Drachen
Aktuell bietet SkySails Zugdrachensysteme für Frachtschiffe mit einer effektiven Zugkraft, also Die Zugkraft in Fahrtrichtung des Schiffes bei SkySails-Normbedingungen, zwischen 8 und 16 t an. Dabei entsprechen 8 t Zugkraft, abhängig von den Schiffseigenschaften, durchschnittlich etwa 600 bis 1.000kW installierter Maschinenleistung. Die Zugdrachenfläche dieser Systeme liegt zwischen 160 und ca. 320 m2. Unabhängig von der Schiffsgröße verfügt das System dabei stets nur über einen Zugdrachen. Gesteigert wird die Systemleistung über die Vergrößerung der Zugdrachenfläche. SkySails mit einer effektiven Zugkraft von 32 t sollen in 2011 verfügbar sein und insgesamt ist ein Produktprogramm geplant, das Zugdrachen mit bis zu 130 t Zugkraft umfasst. Eingesetzt werden die Systeme außerhalb der 3-Meilen-Zone und Verkehrstrennungsgebieten als Ergänzung zum vorhandenen Antrieb. Aufgrund der Bauweise können, so SkySails, viele Frachtschiffe mit dem System aus- bzw. nachgerüstet werden. Mit speziellen Trainings, die sowohl theoretische als auch praktische Inhalte vermitteln, können die Crews für den Umgang mit dem Windantrieb geschult werden.
Aktuelle Serienausrüstung
Derzeit rüstet SkySails eine Serie von drei Frachtschiffen der Reederei Wessel aus Haren an der Ems mit dem Sky-Sails-System der neuesten Generation aus. In die Entwicklung sind die umfangreichen Erfahrungen während der Piloterprobung. Im Rahmen weiterer Produktentwicklungen liegt der Fokus des Unternehmens zurzeit auf der Optimierung der Systemleitung und die Entwicklung des nächst größeren Antriebs. Das SKS C 320 wird über einen ca. 300 m2 großen Zugdrachen verfügen und bei gutem Wind eine Zugkraft von 16 t erzeugen. Damit kann laut SkySails dann doppelt soviel Treibstoff eingespart werden, wie mit dem SKS C 160. Noch Ende diesen Jahres wird die „Beluga SkySails“ als erstes Schiff mit dem neuen System ausgerüstet und die Drachen machen damit den ersten Schritt in die nächste Epoche.
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